Erasmus Roterodamus, Des. Adagiorum chilliades quatuor cum dimidia, ex postrema autoris recognitione. 43 (statt 44, ohne ein weißes) nn. Bl., 1071 S (ohne das erste Blatt). Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel und einigen 4- bis 10zeiligen Holzschnitt-Initialen. 33 x 22,5 cm. Blindgeprägter Schweinslederband d. Z. (minimal angestaubt und beschabt) über an den Kanten abgefasten Holzdeckeln mit 2 intakten ziselierten Messingschließen und farbigem Fore-edge Painting. Basel, Hieronymus Froben und Nicolaus Episcopius, 1546.
VD 16, E 1946. STC 277. Bezzel 87. Van der Haeghen 4. Bibliotheca Erasmiana 130. Bibliothèque Pillone 96. Prachtvoller Druck aus der Basler Offizin von Hieronymus Froben und Nicolaus Episcopius einer der späteren, daher umfangreicheren Ausgaben der Adagia, der Collectanea adagiorum des Desiderius Erasmus von Rotterdam (1466-1536). Seine Sammlung antiker Sprichworte, Redewendungen und Redensarten mit ausführlichen Kommentaren zu denselben hatte der Humanist schon früh begonnen und erstmals im Jahre 1500 in einem kleinen Brevier veröffentlicht. Die Sammlung wurde dann ständig erweitert und neu herausgegeben. - Es fehlen 2 Blätter a1 und gg8 (die auf S. 1071 abgedruckte Lagenformel hinten schließt: "Omnes sunt tertiones, exceptis gg & Vuu, quaternionibus). Nur vereinzelt minimal fleckig oder gebräunt. Auf dem Titel und am Textbeginn wurde der Name des Autors sorgfältig mit Tintenbalken unkenntlich gemacht; in den Kolumnentitel wurde derselbe mit weißer Deckfarbe überpinselt, eine damnatio memoriae mit der wohl aus religiösen Gründen motivierten abolitio nominis auctoris. Der hübsche Einband ist mit jeweils zwei ornamentalen Rollen geziert, die um ein Mittelfeld aus zwei mit gekreuzten Fileten gegliederten Feldern gelegt sind; auf dem Vorderdeckel eine Christusrolle (nicht bei Hobson). Wahrscheinlich handelt es sich um eine Augsburger Arbeit, vgl. dazu etwa die Vorsatzpapiere mit dem Wasserzeichen eines Sternwappens (Briquet 1012 - Augsburg 1544. Der Band wurde für die Bibliothek des Bonaccorso Grino (gest. 1553) angefertigt, der durch Heirat in bedeutende Familie des Odorico Pillone (1503-1593) eingetreten war. Aus dieser Zeit stammt auch das Fore-edge Painting aus der Werkstatt des italienischen Malers und Kupferstechers Cesare Vecellio (1530-1601), aus der verzweigten Familie Tizian Vecellio, der für mehrere Schnittgestaltungen zeitgenössischer Bücher bekannt ist. Dargestellt ist (gegenüber dem Druck auf dem Kopf stehend) Erasmus von Rotterdam in seiner Studierstube vor seinem Schreiberpult, emsig in der Abfassung eines Textes beschäftigt, den er mit langem Griffel in ein Buch niederschreibt. Auf dem Pult ein weiteres Buch in leuchtendem Rot aufgestellt. Ganz in der typischen venezianischen Tradition sind Autornamen und Titel quasi als malerische Spielerei mit in das Bild einbezogen: in großen Versalien liest man: "DES.ER.ROT. ADA." und quer noch einmal kleiner "ADA". Der Boden der Studierstube ist weinrot marmoriert und zieht sich bis in die untere Schnittkante fort, die obere Schnittkante ist analog dazu blau gehalten. - Mit den Exlibris auf dem vorderen Innendeckel "Thomas Brooke F. S. A. Armitage Bridge" und "Bibliothèque Pillone - Pierre Berès".
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| Estimate | €60,000 - €90,000 |
| Starting Bid | €60,000 |