Auktionsgespräche: Triumphaler abschluss für deutsche auktionshäuser

‘Helles Sonnenblumenbild’ by Emil Nolde fetched 1.4 million euros ($1.5 million) at Villa Grisebach’s 250th auction. Photo courtesy Villa Grisebach

‘Helles Sonnenblumenbild’ by Emil Nolde fetched 1.4 million euros ($1.5 million) at Villa Grisebach’s 250th auction. Photo courtesy Villa Grisebach

 

KÖLN – Trotz politischer Unruhen und einer wankenden Wirtschaft vermelden Kunstauktionshäuser in Deutschland starke Jahresendpreise. Noch immer werden die deutschen expressionistischen Maler bevorzugt; ein handsigniertes Original in Größe einer Postkarte kann Tausende von Euro erzielen.

Gleichzeitig ist die Arbeit von deutschen Künstlern der ZERO-Bewegung der 1970er stark nachgefragt. Die minimalistischen Arbeiten sorgen bei Auktionen für Aufregung und bringen Bieter dazu, ihr Portemonnaie noch weiter zu öffnen. Die 250. Auktion der Villa Grisebach, Berlin, wurde mit zwei spektakulären Ergebnissen gefeiert: Das skizzenhafte Bildnis eines jungen Mädchens Max Beckmanns von 1939 brachte 1,225 Millionen Euro ein, und Helles Sonnenblumenbild, ein spontanes Gemälde von Sonnenblumen von Emil Nolde erbrachte 1,4 Millionen Euro. Diese beiden Käufe von privaten Sammlern aus Deutschland und der Schweiz machten einen respektablen Teil der insgesamt 11,4 Millionen Euro – Auktion aus.

Ketterer Kunst in München erzielte den Weltrekordpreis für den ZERO-Künstler Otto Piene. Dynamisches Volumen, eine Arbeit aus den frühen 1960ern, war von Telefonbietern umkämpft und ging schließlich für 825000 Euro an einen deutschen Sammler. Ein zweites Werk von Piene, Wave of Darkness, wurde nach einem harten Wettbieten zwischen Bietern aus Belgien, Hong Kong und Deutschland für 625000 Euro verkauft. Die Auktion beinhaltete 130 Werke von Künstlern der ZERO-Bewegung, deren Preise in den letzten Jahren dramatisch anstiegen.

Die Dezemberauktionen von moderner und zeitgenössischer Kunst von Ketterer Kunst erbrachten insgesamt 24 Millionen Euro, wobei Arbeiten von Erich Heckel, Lyonel Feininger und Alfons Walde Topresultate erzielten.

Das Auktionshaus Van Ham hatte interessante Aufzeichnungen zu vermelden. Noch nie hatte das Kölnische Auktionshaus Verkäufe mit insgesamt 19 sechsstelligen Ergebnissen. Dennoch erzielten oder überstiegen 19 Stücke die 100000 Euro-Marke.

 

Gabriele Münter’s ‚Bauernhaus bei Regen’ ging bei der Van Ham-Auktion für zeitgenössische und moderne Kunst für ein Gebot von 382500 Euro an einen privaten Sammler in München. Foto mit freundlicher Genehmigung von Van Ham Kunstauktionen

Gabriele Münter’s ‚Bauernhaus bei Regen’ ging bei der Van Ham-Auktion für zeitgenössische und moderne Kunst für ein Gebot von 382500 Euro an einen privaten Sammler in München. Foto mit freundlicher Genehmigung von Van Ham Kunstauktionen

 

Gabriele Münter, Lovis Corinth und Heinz Mack zählten zu den meistgefragten deutschen Malern. Der Verkauf erbrachte insgesamt 9,4 Millionen Euro.

Das Kunsthaus Lempertz berichtete von einem internationalen Rekordpreis in seiner modernen, zeitgenössischen und Fotografie-Auktion für ein Gemälde von August Macke, Spaziergänger unter Bäumen/Leute vor dem Schaufenster, welches mit 273000 Euro weit über den geschätzten 150-200000 Euro lag. Ebenfalls ein Rekordpreis wurde für die
Schwarz-Weiß-Fotografie Bäumchen von Albert Renger-Patzsch aus dem Jahr 1929 erzielt. Geschätzt auf 20-30000 Euro wurde die Fotografie eines jungen Kirschbaums für 136400 Euro versteigert.

 

Los 81 bei der Asien-Auktion bei Lempertz, ein auf einem Doppel-Lotus-Thron sitzender Buddha Amitayus, erzielte 155000 Euro. Foto mit freundlicher Genehmigung des Kunsthaus Lempertz

Los 81 bei der Asien-Auktion bei Lempertz, ein auf einem Doppel-Lotus-Thron sitzender Buddha Amitayus, erzielte 155000 Euro. Foto mit freundlicher Genehmigung des Kunsthaus Lempertz

 

Bei der Auktion asiatischer Kunst von Lempertz in Köln könnte man beobachten, wie eine heitere, vergoldete, 21 cm hohe Bronzeskulptur von Buddha Amitayus – dem Buddha des ewigen Lebens – über die geschätzten 30-40000 Euro hinausschoss und 155000 Euro erzielte. Die türkis intarsierte, tibetanische Figur aus dem 15. oder 16. Jahrhundert wurde von einem Bieter aus Hong Kong erworben.

Für Aufregung sorgte auch das Interesse an Arbeiten aus dem Besitz der expressionistischen Sammlerin Elsa Hopf bei der Kunstauktion von Quittenbaum in München. Bunt bemalte Postkarten von Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, welche noch nie zuvor auf dem Kunstmarkt aufgetaucht waren, wurden von enthusiastischen Händlern, Museen und privaten Sammlern weggeschnappt. Was auf einen Preis von 6-8000 Euro geschätzt wurde, wie beispielsweise Heckels Postkarte ,Reclining Female Nude with Dog’, wurde schnell auf 32000 Euro hochgeboten. Karl Schmidt-Rottluffs auf dem Quittenbaum-Katalogcover abgebildete Postkarte, eine scheinbare Miniatur des deutschen Brücke-Expressionismus, erzielte den Höchstpreis von 53000 Euro. Die Karte zeigte einen kantigen liegenden weiblichen Akt und wurde 1911 an Hopf geschickt.

 

This postcard drawn by one of the Brücke artists, Karl Schmidt Rottluff, and mailed in 1911, brought 53,000 euros ($57,900). Photo courtesy Quittenbaum Kunstauktionen

This postcard drawn by one of the Brücke artists, Karl Schmidt Rottluff, and mailed in 1911, brought 53,000 euros ($57,900). Photo courtesy Quittenbaum Kunstauktionen

 

In anderen bedeutenden Verkäufen erzielte ein ungewöhnlicher, voll funktionstüchtiger, französischer Automat 135000 Euro beim Auktion Team Breker in Köln. Der um 1891 von Gustave Vichy erfundene, ikonenhafte, mondgesichtige Herr mit Zylinder hatte ein cleveres Balgensystem, das ihm erlaubte Rauch ein- und auszuatmen.

 

Sehr französisch: Der berühmte mondgesichtige Herr mit Monokel und Gehstock ist ein Rauchautomat Gustave Vichys von 1891. Er brachte 135000 Euro (147000 Dollar) ein. Foto mit freundlicher Genehmigung des Auktion Teams Breker

Sehr französisch: Der berühmte mondgesichtige Herr mit Monokel und Gehstock ist ein Rauchautomat Gustave Vichys von 1891. Er brachte 135000 Euro (147000 Dollar) ein. Foto mit freundlicher Genehmigung des Auktion Teams Breker

 

Breker beendete das Jahr mit dem Verkauf eines 8-Bit Computers von 1971, welcher dem Apple-1 um fünf Jahre vorausging. Der von John Blankenbaker designte Kit-Computer der Kenbak Corporation von 1971 wurde von einem europäischen Museum für 41800 Euro erworben.

 

Es wird spekuliert, dass, wenn dieser 1971er Kenbak-1 besser vermarktet worden wäre, er die späteren Bemühungen von Apple durchkreuzt hätte. Einst war der Preis um die 750 Dollar, nun wurde er für 41800 Euro (45500 Dollar) versteigert. Foto mit freundlicher Genehmigung des Auktion Teams Breker

Es wird spekuliert, dass, wenn dieser 1971er Kenbak-1 besser vermarktet worden wäre, er die späteren Bemühungen von Apple durchkreuzt hätte. Einst war der Preis um die 750 Dollar, nun wurde er für 41800 Euro (45500 Dollar) versteigert. Foto mit freundlicher Genehmigung des Auktion Teams Breker

 

Sehenswerte Ausstellungen:

Die Pfeilerhalle des Grassi-Museums Leipzig von 1927 bereitet seine neue Art Déco-Ausstellung vor. Die Epoche wird durch 450 Objekte dokumentiert; von Kameras über Cocktailtabletts aus Metall, Glas und Keramik. www.grassimuseum.de
Das Thema der neuen Ausstellung der Albertina in Wien sind die russischen Avantgardisten. Von „Chagall bis Malevich“ zeigt die Unterschiede in Stil und Ideen dieser Epoche in 140 Meisterwerken. www.albertina.at

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin-Kreuzberg beherbergt Kunst der Vorzeit: Felsmalereien aus der Frobenius-Sammlung. Primitive Beispiele aus Europa, Afrika und Australien.
www.berlinerfestspiele.de

Ab dem 26. Februar 2016 wird den Besuchern der Schirn Kunsthalle Frankfurt eine große Übersichtsschau über Joan Miro geboten. Die 50 Kunstwerke werden von dem Museum rund um die Welt geliehen. www.schirn.de

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von HEIDI LUX

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