Auktionsgespraeche: Das feiern von 150 jahren geschmeidige kurven

Sechsarmiger Silberkandelaber, 1898-99, von Henry van de Velde, Teil der Ausstellung des Musées royaux ď Art et Histoire, Brussel. © VG Bildkunst, Bonn, 2013; Fotonutzungserlaubnis der Klassik-Stiftung, Weimar

Sechsarmiger Silberkandelaber, 1898-99, von Henry van de Velde, Teil der Ausstellung des Musées royaux ď Art et Histoire, Brussel. © VG Bildkunst, Bonn, 2013; Fotonutzungserlaubnis der Klassik-Stiftung, Weimar

MÜCHEN – Der Jugendstil war ein unsichtbarer Blitzeinschlag, welcher eine komplette Kehrtwende des künstlerischen Stils verursachte. Irgendwann um 1890 erschien er in Deutschland wie blühender Wein, rankte sich um den Historizismus, dessen klassische Linienführung er durch die geschmeidigen Kurven der Natur auslöschte. Der neue Stil, auch bekannt als Art Nouveau, war eine Synchronizität die Gustav Klimt und andere abtrünnigen Künstler Wiens berührte, aber auch den Maler Alphonse Muncha in Mähren, die englische Illustratorin Audrey Beardsley sowie den französischen Glaskünstler René Lalique. Er überwand sogar den Atlantik, um in den Designs von Louis Comfort Tiffany in New York zu erscheinen.

An der Spitze der Jugendstilbewegung stand der Belgien-stämmige Künstler und Architekt Henry van de Velde. Aus Anlass seines 150. Geburtstages, hat Quittenbaum Kunstauktionen, München, eine besondere Auktion seiner Arbeiten für den 10. Dezember geplant.

Der geschäftsführende Direktor Askan Quittenbaum bemerkte dazu: “Sein 150. Geburtstag wird von vielen Museen gefeiert und da unsere Stärke der Jugendstil ist, dachten wir auch eine besondere Auktion ausrichten zu müssen.”

Obwohl er zugab, dass es nicht einfach gewesen sei, eine große Stückzahl von einem derart beliebten und begeistert gesammelten Designer zusammenzutragen, hat das Auktionshaus es trotzdem geschafft, eine respektable Auswahl von van de Velde Objekten zu sammeln. Der Verkauf wird komplettiert durch eine exquisite Auswahl zeitgenössischer Stücke, wie beispielsweise solche von Glaskünstler Emile Gallé sowie Architekt and Designer Josef Hoffmann.

“Henry van de Velde sah es als Herausforderung, die gesamte Kunst von A bis Z zu gestalten.”, sagt Quittenbaum: “Er nutzte dieselben Methoden wie William Morris in der Kunst- und Handwerksbewegung, was bei heutigen Künstlern nicht der Fall ist.”

Tatsächlich verließ van de Velde, der Malerei in Antwerpen studierte, seinen Pfad, um die umfassenderen Möglichkeiten von Architektur und Design einzubeziehen. Seine Verwendung fließender Rundungen erregte die Aufmerksamkeit von Karl Ernst Osthaus, Gründer des Volkwang Museums, der ihn bat, die Innengestaltung des Museums zu übernehmen.

Kurz nach der Jahrhundertwende avancierte van de Velde bis 1915 zum Direktor der Großherzoglichen Sächsischen Kunstgewerbeschule in Weimar. 1919 wurde die Schule in Bauhaus umbenannt, van de Veldes Theorie ausweitend, dass auch Gebrauchsgegenstände wohlgestaltete künstlerische Arbeiten sein können.

Vielleicht wurde van de Velde durch die Handhabung vieler verschiedener Kunstdisziplinen an der Schule inspiriert, war es für ihn genauso angenehm, die Linien eines Hauses künstlerisch zu entwerfen, wie Bucheinbände, Kleidung, Besteck oder Porzellan. Genauso wie Architekt and Designer Frank Lloyd Wright sah er wohlgestaltete Accessoires als wesentlichen und harmonischen Teil des gesamten architektonischen Objekts.

Quittenbaums bieten ein paar dieser liebevoll gestalteten Stücke an, wie Los 28, ein Türgriff von Frisiersalon Haby in Berlin von 1901. Los 61 sind vier einfache Seidentaschentücher mit einem von van de Velde gestalteten Monogramm bestickt, welche zur selben Zeit geschaffen wurden wie ein Set Tafeltücher für die Großeltern des Malers Curt Herrmann, ca. 1906.

Um zu sehen, wie sich in van de Velde Projekten Architektur und Kunst vereinigen, können Jugendstil Enthusiasten auch historische Orte besuchen. Weimarer Höhepunkte schließen das Haus Hohe Pappeln ein, welches er 1907 für seine Frau und 5 Kinder entwarf; das Friedrich Nietzsche Archiv, welches er auf Bitte des Philosophen Schwester 1902 neu gestaltete und natürlich die frühere Kunstgewerbeschule.

In der Villa Esche, entworfen für den Fabrikanten Herbert Esche in 1902 – 1903 in Chemnitz, bekommt man einen Eindruck davon, wie es war, umgeben von van de Veldes Arbeiten zu leben. Das Museum dokumentiert die Art der freundlichen Arbeitsbeziehung, die van de Velde mit vielen seinen Klienten pflegte. www.villaesche.de

 

Bevorstehende Auktionen

 

Dorotheum: 3. Dez. – Pfeifen, Auktionsort: Praha (Prag).

4. Dec. – Kunst, Antiquitäten und Schmuck, Auktionsort: Klagenfurt. www.Dorotheum.com

 

Hauswedell & Nolte, Hamburg: 3. Dez. – Moderne Kunst Teil I und II.

4. Dez. – Kunst nach 1945. www.Hauswedell-Nolte.de

 

Bassenge Photoauktionen und Moderne Kunst, Berlin: 4. Dez. – An Important American Private Collection, Fotobücher und Fotoliteratur, Fotografie des 19.–21. Jahrhunderts. www.Bassenge.com

 

Anticomondo, Köln: 6./7. Dez. Spielzeug- und Reklameauktion. www.Anticomondo.de

 

Kusthaus Lempertz, Köln: 6./7. Dez. Asiatische Kunst China, Tibet/Nepal, Indien, Südostasien, Korea, Japan. www.Lempertz.com

 

Leipziger Münzhandlung Auktion H. Höhn: 6./7. Dez., Radisson Blu Hotel, Leipzig www.Numismatik-Online.de

 

Schmidt Kunstauktionen Dresden: 7. Dez. – Bildende Kunst des 15.-21. Jahrhundert. www.Schmidt-Auktionen.de


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Sechsarmiger Silberkandelaber, 1898-99, von Henry van de Velde, Teil der Ausstellung des Musées royaux ď Art et Histoire, Brussel. © VG Bildkunst, Bonn, 2013; Fotonutzungserlaubnis der Klassik-Stiftung, Weimar

Sechsarmiger Silberkandelaber, 1898-99, von Henry van de Velde, Teil der Ausstellung des Musées royaux ď Art et Histoire, Brussel. © VG Bildkunst, Bonn, 2013; Fotonutzungserlaubnis der Klassik-Stiftung, Weimar

Henry van de Velde auf Arbeit in seinem Studio, ca. 1908. Foto von Louis Held, © Klassik-Stiftung, Weimar und genutzt mit deren Erlaubnis.

Henry van de Velde auf Arbeit in seinem Studio, ca. 1908. Foto von Louis Held, © Klassik-Stiftung, Weimar und genutzt mit deren Erlaubnis.

Eichenmusikschrank von Henry van de Velde aus em Musikzimmer des Filkwang Museums, ca. 1902. Die simple rechteckige Schrankform wurde akzentuiert durch geschwungene, erhabene Einrahmung der Schranktüren. Geschätzt 16.000 – 18.000 € (21.500 – 24.000 $) Foto mit freundlicher Genehmigung von Quittenbaum Kunstauktionen GmbH

Eichenmusikschrank von Henry van de Velde aus em Musikzimmer des Filkwang Museums, ca. 1902. Die simple rechteckige Schrankform wurde akzentuiert durch geschwungene, erhabene Einrahmung der Schranktüren. Geschätzt 16.000 – 18.000 € (21.500 – 24.000 $) Foto mit freundlicher Genehmigung von Quittenbaum Kunstauktionen GmbH

Der reizvolle Kontrast der Farben, geschwungenen Bögen und flackernden vertikalen Linien ließen van de Veldes Jugendstil Villa Esche in Chemnitz (1902 – 1903) sehr futuristisch für ihre Zeit erscheinen. Fotoerlaubnis Villa Esche

Der reizvolle Kontrast der Farben, geschwungenen Bögen und flackernden vertikalen Linien ließen van de Veldes Jugendstil Villa Esche in Chemnitz (1902 – 1903) sehr futuristisch für ihre Zeit erscheinen. Fotoerlaubnis Villa Esche

Detail des Wiener Jugendstil Bahnhofes am Karlsplatz von dem abtrünnigen Architekt Otto Wagner. Foto von Heidi Lux

Detail des Wiener Jugendstil Bahnhofes am Karlsplatz von dem abtrünnigen Architekt Otto Wagner. Foto von Heidi Lux

Emile Gallé Vase, Rose de France, mit persönlicher Widmung an seine Tochter Thérèse, 28. Dez. 1901. Geschätzt 120.000 to 160.000 € (163.000 bis 217.000 $). Foto mit freundlicher Genehmigung von Quittenbaum Kunstauktionen GmbH

Emile Gallé Vase, Rose de France, mit persönlicher Widmung an seine Tochter Thérèse, 28. Dez. 1901. Geschätzt 120.000 to 160.000 € (163.000 bis 217.000 $). Foto mit freundlicher Genehmigung von Quittenbaum Kunstauktionen GmbH

Ein herausragendes Stück zu Quittenbaums Auktion am 10. Dezember ist dieser silberne Gürtelschließe in Schmetterlingsform von Henry van de Velde, 1898-99. Besetzt mit Mondsteinen und Diamanten mit Ursprung bei der Osthaus Familie.  Geschätzt 40.000–60.000 € (54.000–80.000 $). Foto mit freundlicher Genehmigung von Quittenbaum Kunstauktionen GmbH

Ein herausragendes Stück zu Quittenbaums Auktion am 10. Dezember ist dieser silberne Gürtelschließe in Schmetterlingsform von Henry van de Velde, 1898-99. Besetzt mit Mondsteinen und Diamanten mit Ursprung bei der Osthaus Familie. Geschätzt 40.000–60.000 € (54.000–80.000 $). Foto mit freundlicher Genehmigung von Quittenbaum Kunstauktionen GmbH