Description
Stein-Figur, "Nomoli"
Sapi. Sierra Leone
Mit Sockel / with base
Stein. H 15,5 cm.
Provenienz:
- Ernst Winizki (1915-1997), Zürich. 1960er-Jahre erworben.
- Estrichfund, Basel.
Die meisten der bekannten Steinfiguren wurden im Gebiet zwischen den Sherbro-Inseln und Guinea, zwischen Westliberia und dem Temne-Land in Sierra Leone gefunden. Die Zufallsfunde in den Gebieten der Kissi und den Mende wurden von Feldarbeitern entdeckt oder an Flussufern freigelegt.
Der englische Kolonialbeamte T.J. Alldridge fand 1883 als erster auf der Sherbro-Insel zwei Objekte die er anschliessend dem British Museum verkaufte. Seit dem sind eine gewisse Anzahl Objekte in Museen und Sammlungen gelangt, während andere von der lokalen Bevölkerung zurückbehalten wurden.
Die Kissi und die meisten anderen Ethnien dieser Region nennen die Plastiken Pomdo (Mz. Pomtan = die Toten) und betrachten sie als in Stein verwandelte Ahnen denen die Besitzer Opfer bringen. Die Mende nennen die von ihnen gefundenen und stilistisch deutlich abweichenden Arbeiten Nomoli (Mz. Nomolisia = gefundene Geister). Sie sind sich bewusst dass es sich dabei um von früheren Kulturen hinterlassene Artefakte handeln muss und verwenden sie bei Fruchtbarkeitsriten.
Die seltensten Steinarbeiten sind die beeindruckenden, zum Teil lebensgrossen Köpfe aus der Region der Mende. Sie werden lokal als Mahen Yafe (Geist des Häuptlings) bezeichnet und sind Eigentum des Poro-Bundes. Diese Häupter sind keine Fragmente grösserer Figuren den die als Sockel dienenden Standflächen weisen keine Bruchstellen auf. 1852 entdeckte der britische Missionar George Thompson fünf dieser Objekte am Fuss eines Baumes die alle ev. versehentlich oder auch absichtlich beschädigt waren. Als er die lokalen Herrscher nach dem Ursprung der Steine fragte antworteten sie ihm dass diese Objekte wohl hier gewachsen sein müssten, denn von ihrem Volk könne niemand solche Sachen herstellen.
Ein durch das Musée de l'Homme im Jahr 1945 breit angelegter mineralogischer Test von ca. 300 Objekten hat herausgestellt dass in etwa zwei Drittel aus Steatit (= Speckstein, ein natürlich vorkommender leicht zu bearbeitendes chemischer Stoff) bestehen und der Rest aus Chloritschiefer, Amphibolit, Granit und Dolerit.
Stilistisch gleichen die Zeugnisse sehr den afro-portugiesischen Elfenbeinschnitzereien aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert die in der gleichen Gegend von lokalen Handwerkern im Auftrag für den Portugiesischen Adel hergestellt wurden. Die europäischen Kaufleute bezeichneten dieses Gebiet entlang der Küste damals als "Land der Sapes" (oder Sapis). Es ist schwer zu sagen wie alt die Steinarbeiten wirklich sind, aber die bisherigen Erkenntnisse legen nahe dass die frühen Arbeiten in Beziehung zur damaligen Schicht der Sapi stehen. Obwohl vor allem die Kissi die althergebrachte Tradition lange Zeit aufrecht erhalten hatten wird die Steinbildhauerei heutzutage in dieser Region nur zu dekorativen Zwecken ausgeübt.
Weiterführende Literatur:
F.J. Lamp (2018). Ancestors in Search of Descendants: Stone Effigies of the Ancient Sapi. New York: QCC Art Gallery Press, New York.
CHF 1 500 / 3 000
Sapi. Sierra Leone
Mit Sockel / with base
Stein. H 15,5 cm.
Provenienz:
- Ernst Winizki (1915-1997), Zürich. 1960er-Jahre erworben.
- Estrichfund, Basel.
Die meisten der bekannten Steinfiguren wurden im Gebiet zwischen den Sherbro-Inseln und Guinea, zwischen Westliberia und dem Temne-Land in Sierra Leone gefunden. Die Zufallsfunde in den Gebieten der Kissi und den Mende wurden von Feldarbeitern entdeckt oder an Flussufern freigelegt.
Der englische Kolonialbeamte T.J. Alldridge fand 1883 als erster auf der Sherbro-Insel zwei Objekte die er anschliessend dem British Museum verkaufte. Seit dem sind eine gewisse Anzahl Objekte in Museen und Sammlungen gelangt, während andere von der lokalen Bevölkerung zurückbehalten wurden.
Die Kissi und die meisten anderen Ethnien dieser Region nennen die Plastiken Pomdo (Mz. Pomtan = die Toten) und betrachten sie als in Stein verwandelte Ahnen denen die Besitzer Opfer bringen. Die Mende nennen die von ihnen gefundenen und stilistisch deutlich abweichenden Arbeiten Nomoli (Mz. Nomolisia = gefundene Geister). Sie sind sich bewusst dass es sich dabei um von früheren Kulturen hinterlassene Artefakte handeln muss und verwenden sie bei Fruchtbarkeitsriten.
Die seltensten Steinarbeiten sind die beeindruckenden, zum Teil lebensgrossen Köpfe aus der Region der Mende. Sie werden lokal als Mahen Yafe (Geist des Häuptlings) bezeichnet und sind Eigentum des Poro-Bundes. Diese Häupter sind keine Fragmente grösserer Figuren den die als Sockel dienenden Standflächen weisen keine Bruchstellen auf. 1852 entdeckte der britische Missionar George Thompson fünf dieser Objekte am Fuss eines Baumes die alle ev. versehentlich oder auch absichtlich beschädigt waren. Als er die lokalen Herrscher nach dem Ursprung der Steine fragte antworteten sie ihm dass diese Objekte wohl hier gewachsen sein müssten, denn von ihrem Volk könne niemand solche Sachen herstellen.
Ein durch das Musée de l'Homme im Jahr 1945 breit angelegter mineralogischer Test von ca. 300 Objekten hat herausgestellt dass in etwa zwei Drittel aus Steatit (= Speckstein, ein natürlich vorkommender leicht zu bearbeitendes chemischer Stoff) bestehen und der Rest aus Chloritschiefer, Amphibolit, Granit und Dolerit.
Stilistisch gleichen die Zeugnisse sehr den afro-portugiesischen Elfenbeinschnitzereien aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert die in der gleichen Gegend von lokalen Handwerkern im Auftrag für den Portugiesischen Adel hergestellt wurden. Die europäischen Kaufleute bezeichneten dieses Gebiet entlang der Küste damals als "Land der Sapes" (oder Sapis). Es ist schwer zu sagen wie alt die Steinarbeiten wirklich sind, aber die bisherigen Erkenntnisse legen nahe dass die frühen Arbeiten in Beziehung zur damaligen Schicht der Sapi stehen. Obwohl vor allem die Kissi die althergebrachte Tradition lange Zeit aufrecht erhalten hatten wird die Steinbildhauerei heutzutage in dieser Region nur zu dekorativen Zwecken ausgeübt.
Weiterführende Literatur:
F.J. Lamp (2018). Ancestors in Search of Descendants: Stone Effigies of the Ancient Sapi. New York: QCC Art Gallery Press, New York.
CHF 1 500 / 3 000
Condition
Hammer Auctions is committed to ensuring the highest possible level of accuracy in the description of each lot presented in our catalog.
Each lot is documented with multiple photographs which are intended to provide an accurate visual representation of its condition, including any visible wear, imperfections, or signs of age. We strongly encourage prospective bidders to carefully review these images before placing a bid, as they form an integral part of the lot description. Prospective buyers are also encouraged to examine the lot in person before the auction.
Condition statements are provided for guidance only and reflect our professional opinion. They should not be interpreted as statements of fact, nor as a complete description of condition. Hammer Auctions accepts no liability for any errors or omissions but will make every reasonable effort to resolve any concerns promptly and fairly.
In the rare event that a lot is found to differ materially from its catalog description, Hammer Auctions will support buyers through a straightforward return process. Buyers may return the lot for a full refund, provided that Hammer Auctions is notified within seven (7) days of receipt.
For any questions or additional information, please feel free to contact us at any time.
--------------------------------
Hammer Auktionen ist bestrebt, ein Höchstmass an Genauigkeit bei der Beschreibung jedes im Katalog angebotenen Lots sicherzustellen.
Jedes Lot ist mit mehreren Fotografien dokumentiert, die eine möglichst genaue visuelle Darstellung seines Zustands vermitteln sollen, einschliesslich sichtbarer Abnutzung, Unregelmässigkeiten oder Alterserscheinungen. Wir empfehlen Interessenten und Bietern ausdrücklich, diese Bilder vor Abgabe eines Gebots sorgfältig zu prüfen, da sie einen integralen Bestandteil der Lotbeschreibung bilden. Interessenten wird zudem empfohlen, das Lot vor der Auktion persönlich zu besichtigen.
Zustandsangaben dienen ausschliesslich der Orientierung und spiegeln unsere fachliche Einschätzung wider. Sie sind weder als Tatsachenbehauptungen noch als vollständige Beschreibung des Zustands zu verstehen. Hammer Auktionen übernimmt keine Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen, wird jedoch alle angemessenen Anstrengungen unternehmen, um etwaige Anliegen zeitnah und fair zu klären.
Sollte sich in seltenen Fällen herausstellen, dass ein Lot in wesentlichen Punkten von seiner Katalogbeschreibung abweicht, unterstützt Hammer Auktionen Käufer mit einem unkomplizierten Rückgabeprozess. Käufer können das Lot gegen vollständige Rückerstattung zurückgeben, sofern Hammer Auktionen innerhalb von sieben (7) Tagen nach Erhalt entsprechend benachrichtigt wird.
Für Fragen oder weitere Informationen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
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Weight
1019 g
A Sapi Stone Figure, "Nomoli"
Estimate CHF 1,500-CHF 3,000
Starting Price
CHF 5
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HAMMER 160 / Summer Sale: African & Asian Art
Aug 6, 2026, 12:00 PM EDTBasel, BS, Switzerland
CHF 400
CHF 5
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