
Description
Severisches Männerporträt. Römische Kaiserzeit, Anfang 3. Jh. n. Chr. H 28cm. Hohlguss. Kopf eines jungen Mannes mit kurzgelocktem Haar und kurzgeschnittenem Bart. Der Blick ist leicht nach rechts gerichtet. Die Haare sind im vorderen Bereich detailreich und plastisch durchmodelliert, am Hinterkopf nur noch grob skizziert. Das Stück wurde wohl Opfer eines gezielten Angriffs und mittels eines Schlages auf die Gesichtsmitte demoliert. Herrliche dunkelgrüne Patina, im Hals gebrochen, größter Teil des Gesichtes ausgebrochen. Provenienz: Aus dem Lager der Firma Ancient and Medieval Art, Furneux, Pelham , die 1990 geschlossen wurde. Bei Gorny & Mosch Auktion 210, 2012, 13A und Gorny & Mosch Auktion 239, 2016, 6A. Das Stück steht dem sog. 2. Thronfolgertypus nahe, der entweder für Caracalla oder für Geta geschaffen wurde, unterscheidet sich aber im Lockenschema. Es ist daher nicht sicher benennbar und könnte auch nur einen unbekannten Zeitgenossen der severischen Prinzen darstellen. Der Vandalismus, dem das Porträt anheim fiel, lässt aber an die radikale damnatio memoriae, die über Geta verhängt wurde, denken und macht eine Benennung als jüngeren Bruder des Caracalla nicht unwahrscheinlich. Ob sich Volkes Zorn auch derart gegen eine Privatperson gerichtet hätte, scheint fraglich. Mit welcher Hingabe sich die Bevölkerung des römischen Reiches zuweilen der Zerstörung der Bildnisse gefallener Herrscher widmete, berichtet zum Fall des Domitian Plinius der Jüngere: Man freute sich, seine Porträts... auf dem Boden zu zerschmettern, mit den Schwertern darauf einzudringen und die Wut daran mit Beilen auszulassen, wie wenn den einzelnen Hieben Blut und Schmerz folgen würden . Zum 2. Thronfolgertypus s. K. Fittschen - P. Zanker, Katalog der römischen Porträts in den Capitolinischen Museen und den anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom 1. Kaiser- und Prinzenbildnisse (1985) 102 ff. Kat. 88 -90. Das Stück war in den letzten Jahren Gegenstand mehrerer Gutachten und ist mehrfach ausführlich untersucht worden. Es war in der Auktion Gorny & Mosch 210 im Jahr 2012 mit einer großflächigen Ergänzung des Gesichtes präsentiert worden, die auch im beschreibenden Text deutlich gemacht worden war. In einem Spiegel-Artikel vom 5.5.2014 (Nr.19 S. 96ff.), der sich mit gefälschten Bronzeskulpturen, insbesondere des sog. Spanischen Meisters beschäftigt, wird bezüglich unseres Stückes eine Aussage des Archäologen Prof. Stefan Lehmann der Universität Halle-Wittenberg wiedergegeben: Ebenfalls gefälscht sei... ein bärtiger Römer, den das Münchner Auktionshaus Gorny & Mosch angeboten hat. Freilich wurde diese Analyse ohne Autopsie und offenbar ohne Berücksichtigung der etwas entstellenden Ergänzung vorgenommen. Mittlerweise wurden diese Ergänzungen abgenommen. In einem Gutachten von 2020 wurde festgestellt, dass die Zusammensetzung der Bronze nicht gegen eine Entstehung in der Antike spricht, allerdings spreche der Zustand der Oberfläche gegen eine antike Entstehung, da sie keine langzeitliche Korrosion aufweise. Ein Gutachten von 2021, das makro- und mikroskopische Untersuchungen beinhaltet, äußert sich lavierend kritisch und empfiehlt weitere Untersuchungen. Schließlich wurde 2025 eine RFA-Analyse durchgeführt. Das zugehörige, umfassende Gutachten, dass sich auch mit den vorangegangenen Analysen beschäftigt, kommt zu dem Schluss, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein antikes Original handelt . Die Gutachten sind bei berechtigtem Interesse einsehbar. Life size bronze portrait of a bearded young man in the style and iconography of the Severan princes Geta and Caracalla. The head has an attractive smooth green patina. Obviously it has been vandalized, damaged with a heavy stroke in the center of the face and cut off the rest of the figure. That makes one think of the damnatio memoriae of Geta and supports the theory that this is a portrait of the murdered younger brother of Caracalla - although the scientific assignment of the different portrait types of the Severan era is still insecure. The piece has been the subject of several expert reports in recent years and has been examined extensively multiple times. It was presented at the Gorny & Mosch auction 210 in 2012 with a large addition to the face, which was also clearly noted in the descriptive text. In a Spiegel article of May 5, 2014 (No. 19, p. 96 ff.), which deals with forged bronze sculptures, particularly those of the so-called Spanish Master, a statement concerning our piece by the archaeologist Prof. Stefan Lehmann of the University of Halle-Wittenberg is quoted: Also forged is... a bearded Roman, which the Munich auction house Gorny & Mosch offered. This analysis was carried out without autopsy and apparently without consideration of the somewhat disfiguring addition. Meanwhile, these additions were removed. A 2020 report determined that the composition of the bronze does not contradict an origin in antiquity; however, the condition of the surface argues against an ancient origin, as it shows no long-term corrosion. A 2021 report, which includes macro- and microscopic examinations, expresses a cautiously critical view and recommends further investigations. Finally, in 2025, an XRF analysis was conducted. The associated comprehensive report, which also addresses the arguments in the previous analyses, concludes that it is with high probability an ancient original.
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Severisches Männerporträt.
Estimate €4,000-€5,000Closed 224 lots ago
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Auktion 316 Kunst der Antike Saalauktion
Dec 16, 2025 8:00 AM ESTMunich, Germany, Germany
Sold
Dec 16, 2025Monumentaler Bronzearm.Sold
Dec 16, 2025Männliches Geschlecht.Sold
Dec 16, 2025Hand.Sold
Dec 16, 2025Hand einer römischen Gewandstatue.Sold
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Dec 16, 2025Venus Anadyomene.Sold
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Dec 16, 2025Bedeutendes Besteck eines römischen Arztes.Sold
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Dec 16, 2025Miniaturgefäß mit Schnurösen.TOP
































